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ANFECHTUNGEN UND ANTWORTEN Die Vorwürfe gegen Landesbischof Meiser
„Landesbischof Meiser schwieg zur Euthanasie“
Dieser Vorwurf wird immer wieder ohne Kenntnis des
wirklichen Sachverhalts vorgebracht. Dabei geht es um des Bischofs
angebliches Schweigen gegenüber den NS-Behörden über die Deportation
behinderter Menschen aus den Heime der Diakonissenanstalt Neuendettelsau
in Bayern. Tatsächlich aber ist Meiser am 23.2.1940 bei Reichstatthalter
Ritter von Epp in München vorstellig geworden. Nach Zeugen dieses
Gesprächs hat er „in sichtlicher Erregung“ auf die Ermordung
Geisteskranker hingewiesen. Epp versicherte, dass er zum ersten Mal von
diesen Dingen erfahren habe und leitete sofort eine Untersuchung ein,
die allerdings erfolglos blieb, da die betreffende Anordnung aus der
Kanzlei Hitlers gekommen sei. Dieser hatte in einem Geheimbefehl die
Euthanasiemaßnahmen befohlen.
Als der Schwabacher Dekan Christian Stoll am 21.12.1940 dem
Landesbischof von einigen ihm bekannt gewordenen Tötungen Behinderter
berichtete, antwortete Meiser ihm am 30.12.1940: „Die Angelegenheit hat
uns im Landeskirchenrat und in der Kirchenführerkonferenz schon oft und
ausgiebig beschäftigt. Es darf mit gutem Gewissen gesagt werden, dass
geschehen ist, was geschehen konnte, um die Stimme der Kirche in dieser
Sache nachdrücklich zu Gehör zu bringen. Leider blieb all unseren
Bemühungen der sichtbare Erfolg bisher versagt.“
Warum kam aus der bayerischen Kirche kein weiterer Protest mehr? Der
Leiter der Betheler Anstalten, Pfarrer Friedrich von Bodelschwingh, der
für seinen Widerstand gegen die staatlichen Euthanasiedelikte bekannt
war, hatte den Leitern anderer Pflegeanstalten und den Kirchenführern
geraten, von provozierenden Protestaktionen abzusehen, da diese nur die
Wirkung hätten, dass die Leitung durch vorübergehende Verhaftung
ausgeschaltet würde und die beauftragte Kommission nach eigenem Belieben
in der Anstalt aufs Brutalste vorgehen könne. Bodelschwinghs
Verhandlungen mit den Verantwortlichen der Euthanasiemaßnahmen ist es zu
verdanken, dass Hitler am 24.8.1941 die Mordaktion – zumindest offiziell
– stoppte.
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